Heiraten in Griechenland

Heiraten in GriechenlandDie griechische Hochzeit wird, wen wundert es, so heißblütig, warmherzig und strahlend gefeiert, wie es auch die Sonne in Griechenland ist. Bevorzugte Jahreszeit ist eindeutig der Sommer. Gerade in früheren Zeiten war es fast unverzichtbar. Die Gäste wurden bei Anreise per pedes oder Esel nicht nass und das eigentliche Fest, bzw. die Feste konnten im Freien stattfinden. So wurde das Platzproblem auf elegante Weise gelöst.

Griechische Hochzeiten unterscheiden sich grundlegend von unseren deutschen. Die Proxenítra, die Kupplerin aus dem Bekanntenkreis erkundigte sich zuerst, an welches Mädchen der Junggeselle dachte. Anschließend erkundigte sie sich über die Familie der Nifi, der Braut. Es galt vieles zu bedenken Ihre Aussteuer, ihr Erbe, ihren etwaigen Geschwisterreichtum, ihre Príka, die textile Aussteuer und vieles mehr.

Vielen diese Erkundigungen zur Zufriedenheit des Bräutigams aus, wurde die Offerte in das Haus der Brut überbracht. Kaum war der Bote aus der Haustür, begannen die Erkundigungen erneut, wenn auch natürlich anders herum. Waren auch diese Erkundigungen zur Zufriedenheit beendet, gab es einige, teils verstohlene Treffen im Haus der Braut.

Bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Natürlich können sich Paare auch „von alleine“ kennenlernen, jedoch werden immer noch eifrig Erkundigungen betrieben und auch die Kuppelei ist längst noch nicht verschwunden. Je kleiner das Dörfchen, desto üppiger wuchert sie noch.

Die offizielle Príka wurde in den 90er Jahren abgeschafft und löste eine Welle an zivilen Klagen aus, da so manches Erbe neu verteilt werden musste.
Das traditionelle Vorsprechen beim Brautvater ist eine der Gemeinsamkeiten der deutschen und griechischen Kultur. Wurde alles zufriedenstellend geklärt, folgte der Logos, das feierliche Eheversprechen.

Anschließend wurde Verlobung gefeiert. Hierzu waren engste Verwandte und Freunde eingeladen. Die jeweiligen Schwiegereltern überreichten die ersten Geschenke, zumeist Schmuck und Goldmünzen. Ein Teil der Feier findet in der Kirche als Festgottesdienst mit dem Popen statt. Anschließend geht es zu den Eltern der Braut. Dort findet eine kleine Feier statt.
Eine kleine griechische Feier hat dabei oft die Ausmaße, die wir in Deutschland als üppig ansehen. Es wird Lamm gegrillt, viel Wein getrunken und Musiker spielen zum Tanz auf, der meist in Kreisen verläuft. So konnten die neuen Familienmitglieder ausgiebig unter die Lupe genommen werden.

Endlich ist die Zeit der eigentlichen Hochzeit gekommen. Einige Wochen vorher werden die Gäste und Familienmitglieder durch Geschwister des Brautpaares und weitere Jugendliche eingeladen. Dazu überreichen diese die traditionellen Loukoumi, die Süßigkeiten.
Heute werden sie oft durch simple Bonbons ersetzt.
Irgendwann ist der große Tag da. Doch nein, nicht der große Tag sondern die große Woche! Griechische Hochzeiten ziehen sich klassischerweise über eine ganze Woche hin. Der Gambrós, der Bräutigam, hat es dabei verhältnismäßig einfach. Er hilft bei ein paar allgemeinen Vorbereitungen mit und begrüßt neu eintreffende Gäste.
Für die Nifi, die Braut und deren Familie wird es eine Woche, in der sie Nervenstärke und Belastbarkeit sowie Haltung, Würde und Organisationstalent beweisen muss.

Montag und Dienstag beginnen mit einem Großreinemachen bis in die letzten Zentimeter des Hauses. Jeder noch so kleine Winkel muss blitzen und glänzen. Das Haus wird üppig und üppiger mit Schleifen und festlich, leicht kitschiger Dekoration versehen. So zum Beispiel mit üppigem Tüll umwundene Treppengeländer.
In den Küchen der Brauteltern aber auch aller nahestehenden Freunden und Verwandten wird auf das eifrigste gebacken, gekocht, eingelegt und vorbereitet, was nur alles möglich ist.
Am Mittwoch erfolgt der erste feierliche Akt. Die Prika, die Aussteuer der Braut wird feierlich präsentiert. Sie wurde über Jahre von den Eltern gesammelt und später von der Braut handgefertigt.
Hier ergibt sich eine weitere Gemeinsamkeit mit der deutschen Kultur.

Die Aussteuer wird liebevoll und festlich auf der Jikos arrangiert. Das ist ein flacher Holzschrank oder eine hölzerne Truhe, ähnlich der deutschen Aussteuertruhe. Auch Geschirr ist in wohlhabenderen Familien dabei. Zu diesem Akt kommen viele Freunde und Verwandte, bestaunen die Stücke und bringen weitere Geschenke. Alle werden auf das Liebenswürdigste empfangen und mit reichlich Getränken sowie Süßigkeiten versorgt. Oft spielen auch wieder Musiker auf. Dieses Fest zieht sich hin bis spät in die Nacht.

Kaum hat sich die Braut auch nur ein wenig von den Strapazen erholt, kommen am nächsten Tag die Verwandten des Bräutigams, um die Aussteuer vorsichtig einzupacken und in das neue Heim des Paares zu bringen. Der Bräutigam selber darf auf keinen Fall dabei sein, das würde schweres Unglück für das junge Glück bringen.

Die Verwandten necken die Brautfamilie und versuchen, ein Stück mehr als die Aussteuer mitgehen zu lassen. Jedem Ertappten wird freundlich auf die Finger geklopft. Unter solchen Rangeleien, begleitet von vielen geistigen Getränken nimmt die Familie alles mit. Zumeist gelingt ihnen das Entführen eines anderen Gegenstandes und die Brautfamilie erfährt erst nach der Hochzeit, was es nun war.

Die Aussteuer wird im neuen Zuhause wieder ähnlich liebevoll aufgebaut. Auf das zukünftige Ehebett werden Münzen gestreut und ein kleiner Junge wälzt sich auf ihm. Das soll Wohlstand und Fruchtbarkeit bringen.
Freitag und Samstag stehen ganz unter dem Zeichen der letzten Festvorbereitungen. Am Samstagabend versammeln sich alle Gäste der Braut und feiern gemeinsam. Wieder eifrig unterstützt von viel Wein, Essen und Musik.

Der Sonntag, der eigentliche Hochzeitstag beginnt. Die Brat residiert im Wohnzimmer des Elternhauses und wird dort geschminkt, frisiert und angezogen. Alle weibliche Verwandtschaft hilft auf die eine oder andere Art dabei mit. Zur Stärkung gibt es Kuchen und Getränke, es wird viel geschluchzt, die Braut bekommt kleine Geldgeschenke
Der Bräutigam holt die Braut ab. Er muss jedoch an der Spitze des Brautzuges gehen, er darf die Braut ja vor der Trauung nicht sehen. In festgelegter Reihenfolge kommt die Verwandtschaft hinterher.
Das Brautpaar trägt zwei verbundene weiße Kränze als Zeichen der Einigkeit. Die Eheringe steckt der Trauzeuge an, mit dem Popen wird dreimal um den Altar geschritten.
Beim Verlassen der Kirche bekommen die Gäste traditionell Zuckermandeln in Tüllsäckchen überreicht.
Die Gäste werden im Festsaal vom Familienoberhaupt begrüßt und stecken ihm heimlich Geld als Unterstützung zu.
Die Feier ist lange, laut, lustig, weinselig und vieles mehr. Das Brautpaar darf erst aufhören, wenn kein Gast mehr anwesend ist. Und, wen wundert es, sie verabschieden sich direkt in die Flitterwochen!

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